Erbschaftssteuer trifft nicht reiche Unternehmer, sondern Jobs. Wer Familienbetriebe schwächt , schwächt unsere regionale Wirtschaft

Leserbrief: Was die SPD bei der Erbschaftssteuer. plant"

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Bild: thisisengineering@unsplash.com

Die aktuelle Debatte um eine Reform der Erbschaftsteuer offenbart einen grundlegenden ordnungspolitischen Konflikt: Setzen wir auf Leistung, Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität – oder auf immer neue Umverteilungsfantasien?

Ja, das Erbschaftsteuerrecht ist reformbedürftig. Aber nicht, weil zu wenig besteuert wird, sondern weil das System zu kompliziert, zu unsicher und zunehmend investitionsfeindlich ist. Der von der SPD vorgeschlagene sogenannte „Lebensfreibetrag“ von einer Million Euro mag auf den ersten Blick moderat erscheinen, greift jedoch bei Unternehmensnachfolgen deutlich zu kurz.

Denn die wirtschaftliche Realität ist klar: 86 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind eigentümergeführt. In ihnen arbeiten 54 Prozent aller Beschäftigten der Privatwirtschaft, und eigentümergeführte Familienunternehmen erwirtschaften rund 43 Prozent des gesamten Umsatzes der deutschen Wirtschaft. Diese Unternehmen sind kein passives Vermögen, sondern das Rückgrat unseres Wohlstands – auch hier vor Ort.

In jeder Region gibt es Betriebe dieser Art, die jeder kennt: traditionsreiche Handwerksunternehmen, mittelständische Industriebetriebe oder Dienstleister, die seit Generationen Arbeitsplätze schaffen, Fachwissen sichern und das gesellschaftliche Leben mitprägen. Sie stehen stellvertretend für die vielen Familienunternehmen, die unsere wirtschaftliche und soziale Struktur tragen. Zusätzliche steuerliche Belastungen im Erbfall gefährden nicht abstrakte „Vermögen“, sondern reale Existenzen und regionale Zukunftschancen.

Wer Betriebsvermögen beim Generationswechsel stärker besteuert, besteuert nicht Reichtum, sondern Arbeitsplätze, Investitionen und Zukunftsfähigkeit. Gerade familiengeführte Betriebe finanzieren Innovation, Ausbildung und Transformation aus ihrer Substanz. Zusätzliche steuerliche Belastungen im Erbfall führen nicht selten dazu, dass Unternehmen verkauft, zerschlagen oder ins Ausland verlagert werden müssen.

Das Leistungsprinzip wird nicht dadurch gestärkt, dass man unternehmerische Verantwortung im Nachhinein sanktioniert. Leistung entsteht dort, wo Risiko übernommen, langfristig geplant und nachhaltig gewirtschaftet wird. Eine Steuerpolitik, die Erbschaften primär als Finanzierungsquelle für immer weiterwachsende Staatsausgaben betrachtet, verkennt diesen Zusammenhang.

Aus meiner Sicht gilt: Wir brauchen einfache, verlässliche Regeln, die Unternehmensnachfolgen erleichtern statt erschweren. Planungssicherheit statt neuer Unsicherheiten. Und vor allem: keine ideologisch motivierte Steuerpolitik, die die wirtschaftliche Realität unseres Mittelstands ignoriert.

Deutschland leidet nicht an zu niedrigen Steuern, sondern an zu wenig Wachstum. Wer Chancengerechtigkeit will, muss bei Bildung, Aufstieg und Gründungen ansetzen – nicht bei der Schwächung der Unternehmen, die heute schon unter Bürokratie, hohen Energiekosten und Abgabenlast leiden.

Eine moderne Erbschaftsteuerreform muss Leistung anerkennen, Verantwortung respektieren und Arbeitsplätze sichern – gerade für die Unternehmen in unserer Region.